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Frances Scholz, Malerei, November 2002 Februar 2003 Katalog erhältlich (28 Seiten, 10 Abbildungen) |
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Mit der Leichtigkeit der Malerei... von Konrad Bitterli (english text below) Gitterartige Strukturen scheinen - wie von einem sanften Windstoss bewegt - über die schneeweisse Bildfläche zu gleiten und dabei die Malerei in einen Zustand permanenter Schwerelosigkeit zu versetzen.Die netzartig sich verzweigenden Linien in lasierendem Blau und Violett überschneiden und verknoten sich in leicht wallenden Bewegungen, sachte Räumlichkeit andeutend. Von transparentem Weiss gedämpft, verdichten sie sich an den Schnittstellen zu verhaltenen Farbakzenten. Scheinbar endlos öffnet sich der gleissende Bildraum und überstrahlt das Bildgeviert. Einzig Spuren roter Untermalungen blitzen rosa-vibrierend durch. Schichten von Malerei suggerieren haltlos Tiefe, während ihre Leuchtkraft vehement dem Blick des Betrachters entgegen drängt: schneeblind blendend und schwerelos zugleich. Einzig an der unteren Bildkante baut sich in parallel gesetzten, breiten Pinselstrichen eine hellgrüne Form auf. Als ob sie - diese ins Bild gesetzte Schwerkraft - die Leichtigkeit der Malerei in der rechteckigen Bildtafel für immer verorten wolle. Allein, ihre Festigkeit bleibt reine Illusion der Malerei. Feinste Verläufe im dünnflüssigen Farbauftrag deuten Bewegungen an, die die blockhafte Tektonik jener Form entschieden auflösen und ihr jeden starren Charakter rauben. Und selbst diese nur scheinbar feste Struktur wird von einem netzartigen Gewebe überlagert und in ihrem ohnehin prekären Charakter weiter destabilisiert. "Ohne Titel" bezeichnet die Künstlerin Frances Scholz ihre Bilder, so auch das vorliegende aus dem Jahr 2002. Die Konvention der Titelgebung ist indes mit Bedacht gewählt. Anfang der neunziger Jahre setzte ihr Schaffen mit Werken ein, die, an die Traditionen radikaler Malerei anknüpfend, die Untersuchungen von Farbe und Form konsequent weiterführten. Diesen analytischen, die Autonomie des Bildes betonenden Ansatz hat die Künstlerin in den letzten Jahren erweitert und ihr Oeuvre dabei in unterschiedlichste Richtungen geöffnet. Das wird in diesem Gemälde evident, wie die Bildlektüre verdeutlicht. Genauso wie die sich kreuzenden Linien und Rahmenformen früherer Arbeiten als Fenster, als Blick aus der abstrakten Bildstruktur in einen fiktiven Bildraum zu interpretieren sind, so lassen sich hier die schwebenden Strukturen als textile Gewebe lesen und deuten bildhaft an, was als mögliche Sinnschicht dem Werk zugrunde liegt. Gemeint ist vielleicht jenes vielschichtige Geflecht von Verweisen und Referenzen, nicht nur auf die Traditionen abstrakter Malerei, sondern auf die reale Welt jenseits der weissen Zelle der Kunst.1) Frances Scholz versteht sich nicht ausschliesslich als Malerin, sie produziert auch Videoarbeiten. Während dem technischen Medium trotz digitaler Nachbearbeitung ein offensichtlicher Wirklichkeitsbezug zu eigen ist, erscheint die traditionelle Gattung Malerei durch die Moderne von den Zwängen des Mimetischen befreit. Und dennoch schleichen sich im Prozess des Wahrnehmens Muster des permanenten Referierens auf die Welt ein, welche die Künstlerin durchaus gezielt in ihre Bilder einfliessen bzw. in subtiler Weise als bildnerisches Potenzial zulässt. Dabei entstehen Gemälde von ausserordentlicher Leuchtkraft, die mit unvergleichlicher Leichtigkeit die malerischen Möglichkeiten ausloten und sich zugleich schwerelos der Dingwelt zuwenden. 1) Beim Gewebe handelt es sich um ein in Palästina weitverbreitetes Tuch. Die Bildvorlagen - oft Zeitungsausschnitte - entstammen dem Archiv der Künstlerin, das ihr als Grundlage für ihre Arbeiten dient. With the Lightness of the Brush... written by Konrad Bitterli, translated from the German by Jeanne Haunschild Net-like structures - as if propelled by a slight breath of air - glide across the snow-white picture plane, seeming to transport the painting into a permanent state of weightlessness. In a glaze of blue and violet the network of radiating lines intertwine in a light rippling flow, suggesting pliant spatiality. Softened by transparent white, they intersect in accents of subdued color. Apparently endless, the dazzling space opens up and floods the picture frame. Traces of red background are all that shine through in pink vibrations. Layers of paint suggest disorienting depth, while their luminosity jumps out at the viewer: a glare both snow-blinding yet weightless. Only at the bottom edge does a light-greenish form build up via broad strokes of parallel lines, as if the gravitational pull thus introduced into the picture plane wished to situate the lightness of painting forever within this rectangular frame. Only that its solidity remains the purest illusion. The subtlest gradations of thin coats of paint intimate movement that decisively dispels the form's block-like tectonics and rob it of any fixity. And even this (only seemingly) solid structure is overlaid with a filmy web, destabilizing its already precarious character even more. "Untitled" is the name Frances Scholz gives her paintings, including this one from 2002. Yet this convention of providing titles is carefully observed. At the beginning of the nineties, the artist began by associating her works with the traditions of radical painting and a consistent study of color and form. Over the past years she has expanded this approach of underlining the analytical autonomy of the picture and has opened up her oeuvre in a variety of directions. Something quite evident in this painting, as a close reading makes clear. Just as the crossing lines and the formal framework from earlier works can be interpreted as a window, as a view out of the abstract pictorial structure into a fictive space, so can these floating structures be read as woven textile that alludes pictorially to what is the basis for a possible meaning behind the work. Namely, that multifaceted mesh of allusions and references, not only to the traditions of abstract painting, but to the real world beyond art's white cell.1) Frances Scholz does not see herself exclusively as a painter; she also produces video works. While the technical medium, despite digital reworking, has an obvious and inherent reference to reality, the traditional genre of painting seems - via Modernism - to be liberated from any obligation to mimesis. And yet the patterns the artist deliberately programs to flow into her paintings, which subtly suggest potential images, inveterately refer to the outside world. The results are paintings of extraordinary luminosity, which sound out the incomparable lightness of the medium's possibilities and, at the same time, avail themselves - in a state of suspension - of the world of objects. 1) The woven material in question is a head scarf that is widespread in Palestine. The models used - often cut from newspapers - stem from the artist's archive that serve her as a basis for her works. Vita und weitere Ausstellungen von Frances Scholz |
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| © Tony Wuethrich Galerie, Basel/CH. |