| Ausstellung indra. White Squall, September – Oktober 2009 |
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indra. White Squall Die Tony Wuethrich Galerie freut sich, in der Ausstellung „White Squall“ neue Gemälde und eine Wandinstallation von Indra. zu präsentieren. Mit White Squall, zu deutsch: Weiße Bö wird ein seltenes Wetterphänomen auf hoher See bezeichnet. Die extrem heftigen Fallböen treten meist ohne die üblichen Vorwarnungen von Sturmwolken völlig unerwartet auf. Ihren Namen verdanken sie den sie begleitenden weißen Schaumkronen, Nebeln und Schneefällen, deretwegen die See sich plötzlich weiß färbt. Aufgrund ihrer Zerstörungskraft haftet den Weißen Böen etwas Unheimliches an, aufgrund ihrer Seltenheit und kurzen Dauer etwas Geheimnisvolles und Sagenhaftes. Die Bezüge zu Indras Öl- und Acryllack-Bildern sind so naheliegend wie vielfältig. Zunächst scheinen sich in den jüngsten Arbeiten verstärkt Turbulenzen anzubahnen. Selbst da, wo sie relativ leise auftreten, wohnt ihnen bereits eine aufwühlende, enorm verändernde Kraft inne; eine Kraft, die in der Lage sein wird, gehörig aufzurütteln, Vorhandenes komplett in Frage zu stellen, Derzeitiges umzuwälzen und zu zerstören. Gleichwohl ist ihnen, wie etwa in O.T. (Hundehütte), eine poetische Zartheit und ein sehr sanfter Zauber zu eigen. Was am Ende groß und stürmisch werden muss, beginnt auf Indras neuen Bildern mit winzigen, amorphen Zusammenballungen, die noch ausdefinierter, unabhängiger und selbstverständlicher daherkommen als bisher. Blasen bilden sich und fangen an zu schweben, sie stecken weitere an, dehnen sich aus, sprühen, züngeln, platzen und explodieren. Strudel entstehen und Wogen, die spritzen, blubbern und wabernde Schlieren ausbilden. Etwas braut sich also zusammen – und scheint schon wieder abgeklungen – während es irgendwo anders bereits wieder anfängt. Sicher, irgendwo muss es einen Höhepunkt gegeben haben. Oder war es doch nur ein Traum? Ähnlich der Weißen Bö, die lange Zeit als Seemannsgarn abgetan wurde? Zurück bleibt in beiden Fällen eine Melange aus Faszination und Verunsicherung. Die Figuren – Tanzbären, Geishas, Kinder, Dinosaurier – gehen indessen inmitten all des Trubels konzentriert und selbstvergessen ihren Verrichtungen nach. Als würden sie von den Turbulenzen überhaupt nichts bemerken. Auch von den Freiflächen, den blauen und weißen Grundtönen oder den gesprayten Farbverläufen breitet sich, trotz all der brodelnden und kochenden Elemente, klare Stille aus. Wie ist diese Dynamik in den Bildern also aufzufassen? Als durchgängiges Stilmittel veranschaulichen die Bewegungs-Momente in Indras Bildern die Nähe zum Ukiyo-e, der alt-japanischen Vorstellung von der „fliessend-vergänglichen Welt“, die von einem dauernden Prozess des Wandels der Konditionen des Daseins gekennzeichnet ist. Höhepunkte stehen dabei weniger im Fokus als die Herausforderung durch ständige Metamorphose. In diesem Zusammenhang gewinnt neben den abstrakten, fließenden Formen und den in sich ruhenden Menschen vor allem der Motivkreis von Behausung, Transportmittel und Fortbewegung als Leitmotivik von „White Squall“ an Bedeutung. Vielschichtiger denn je betont Indra in ihren neuen Arbeiten Mobilität und Transformation. Mit Häusern, die beweglich auf Rollen liegen und solchen, die umspült werden: Flusshäuser, die auf Stelzen im Wasser stehen, schwimmende Häuser und Häuser, an deren Ecken und Rändern sich ornamentale Formen kristallisieren. Als einfach gezimmerte Hütten markiert, wirken sie stets behelfsmäßig und ephemer. Bei den Situationen handelt es sich um Jetzt-Zustände, bei denen das Vergangene und das Kommende jedoch stets mitgesehen wird. Vehikel, Windmühlen und Floße, Gondeln und Autos sind Ausdruck und Anstoß für die unablässige Veränderung. Ebenso wie fahren, reiten, schwimmen und tanzen, oder wie die Geisha in der Sänfte: treiben, schweben, sich forttragen lassen, wegträumen auch und gedanklich reisen. Da Mobilität und Transformation immer auch die Konfrontation mit Unbekanntem bedeuten und daher mit einer latenten Bedrohung einhergehen, ist die wohl maßgeblichste Parallele zwischen dem Phänomen der White Squall und Indras Malerei in der erwähnten Mischung aus Faszination und Verunsicherung zu suchen. Den ungleich temperierten Luftmassen vergleichbar, prallen in Indras Bildern unaufhörlich in Zeit und Raum nicht fest verankerte Bild- und Inhaltsebenen aufeinander. Versatzstücke aus Prähistorie und Zukunft, High und Low, Realität und Fiktion, wie auch verschiedene innerbildliche Raumebenen kollidieren und balgen sich in einer unsichtbaren Zwischenzone, ohne unbedingt greifbar zu werden. Demnach dürften die sichtbaren Turbulenzen also doch nur als ein Ausläufer zu werten sein, während die heftigeren nur traumartig widerhallen. Für die Neuschöpfungen und Synthesen, die sie ermöglichen, sind sie – so oder so – ein verhältnismäßig geringer Tribut. Carola Conradt, September 2009 Text als PDF Biographie und weitere Ausstellungen indra. |
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| © Tony Wuethrich Galerie, Basel/CH. | |||