Ausstellung Leiko Ikemura, la notte" September – Oktober 2008




Tony Wuethrich Galerie freut sich, parallel zu der umfassenden Leiko Ikemura Retrospektive im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen neue abstrakte und figürliche Gemälde, sowie Skulpturen und Aquarelle der in Koeln und Berlin lebenden Künstlerin zu zeigen.

Nach der letzten Ausstellung Beach Girls, die 2004/2005 in der Galerie stattfand, reduziert sich die jetzige Auswahl auf nahezu abstrakte, nächtliche Landschaften – Nightscapes – und die neue Serie von Floating Heads. Erste sind so genannte Horizontbilder, aus denen jedoch die wesenhaften Mädchengestalten, mit denen Leiko Ikemura bekannt wurde, weit gehend verschwunden sind. Geblieben ist jedoch die Horizontlinie, als leuchtende Sphäre zwischen zwei Elementen oder Daseinsformen. Dieser Horizont trennt und verbindet gleichzeitig – Himmel und Meer, Tag und Nacht, Diesseits und Jenseits. Genauso befinden sich auch die Gemälde auf der Schwelle zwischen abstrakt und gegenständlich. Ob man in den irisierenden Farbverläufen eine Landschaft erkennen will oder eine abstrakte Farbfeldkomposition, bleibt dem Betrachter überlassen. Kennt man jedoch das Werk Ikemuras, sieht man immer einen Horizont und vermutet irgendwo eine Mädchengestalt, die ihm entsteigt, auf ihm ruht, oder in ihn eintauchen könnte. Durch den Malgrund Jute bekommen die Bilder mit ihren sich vielfach überlagernden und lasierenden Farbschichten eine ganz eigene Textur.

Eine weitere neue Werkgruppe besteht aus den „Floating Heads" – riesenhaften, von einem Körper getrennten Frauenköpfen, welche vor schwarzem Hintergrund oder über einer Horizontlinie schweben – als wollte sie diese mit den Lippen berühren oder sich gar hineinstürzen. Die Gesichter haben geschlossene Augen, sie träumen oder schlafen, erscheinen jedoch gleichzeitig wie entflammt, mit fliegenden grünen, gelben oder orangenen Haaren. Sie sind ganz ruhig und in Bewegung zugleich, mitten im Bildraum schwebend – meditative Gesichter einer Seele, die in telepathischer Verbindung zu ihrem Horizont steht. Waren schon die Mädchen vertraute Bewohner dieses „Zwischenraums", so scheinen die „Floating Heads" ihm buchstäblich von Angesicht zu Angesicht begegnen.

Ergänzend werden zwei Bronzeskulpturen und eine neue Serie von acht Aquarellen mit Gesichtern gezeigt, die auf verschiedene Frauenportraits von Francisco de Goya zurückgehen.

Eva Scharrer, August 2008


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