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Leiko Ikemura "beach girls", November 2004 Februar 2005 |
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"beach girls" von Eva Scharrer (english text below) In den traumartigen Bildwelten der Leiko Ikemura existieren im Wesentlichen zwei Dinge: Horizont und Mädchen. Die Konzentration, mit der sich Ikemura diesen beiden Elementen widmet, hat etwas Meditatives. Die immer wiederkehrenden Motive entstehen langsam während eines langwierigen Malprozesses aus unzähligen, sich transparent überlagernden Farbschichten. Man könnte dazu auch sagen: sie erscheinen. In den Bildern Ikemuras ist der Horizont nicht nur eine Linie in der Ferne. Er ist vielschichtig, diffus, phosphoreszierend - eine vibrierende Sphäre, oder, wie es Elisabeth Bronfen in dem jüngst erschienen Katalog „Leiko Ikemura. Skulptur Malerei Zeichnung" ausführt: ein Niemandsort, eine Schwelle zwischen Tag und Nacht, zwischen Himmel und Erde, zwischen Diesseits und Jenseits. Das Sujet erinnert, vor allem in den noch dunkleren Bildern der 90er Jahre, an Caspar David Friedrichs „Mönch am Meer". Die Atmosphäre diffusen Zwielichts beschreibt einen inneren Zustand des Übergangs. Hier wie dort geht es um Introspektive, um das Sichtbarmachen tiefer Empfindung. Doch während in dem berühmten Gemälde C. D. Friedrichs Land und Himmel hell sind und der Horizont, wo Himmel und Meer sich berühren, in schwarz umwölkte Dunkelheit getaucht ist, hebt er sich in Ikemuras Bildern farbig und wie von innen erleuchtet vor einem dunklen Hintergrund ab. Und während der einsame Mönch sich winzig vor der Unendlichkeit des Horizonts verliert, ohne an ihn heran zu ragen, erheben sich Ikemuras kleine Mädchen riesenhaft über ihn. Der Kopf dieser schemenhaft schwebenden, durchleuchteten Gestalten ist oft vom oberen Bildrand abgeschnitten, Röckchen oder Beine, soweit sichtbar, verlaufen unten ins Leere, lösen sich auf im Horizont. Es ist, als wären sie aus diesem Horizont geboren und als könnten sie jederzeit wieder in ihn eintauchen und darin verschwinden. Der Horizont ist ihr Element. In der endlosen schwarzen Leere der Bilder ist er ihr Drahtseil, auf dem sie schwebend sitzen, schlafen oder landen. Wer aber sind nun diese geisterhaften Mädchen? Sie tragen kurze, durchscheinende Röckchen, die an Tütüs oder Schuluniformen erinnern, grüne oder blaue Haare und helmartige Frisuren. Die Hände sind im Schoß gefaltet und der Blick ihrer schemenhaft dunklen Augen ist nach innen gekehrt und stets gesenkt. (Manchmal scheint es fast, als würden sie sich auf ihn stützen.) Sie wirken leicht melancholisch oder gar traurig, aber auch wiederum friedvoll und Eins mit ihrer Welt. Manchmal jedoch auch unheimlich - wie Geister eben. Und manchmal scheint es, als würde sich hinter der malerischen Transparenz ihrer Körper der unberechenbare Geist eines Anime, eines sexy Mangas oder kriegerischen Pokémon, verstecken. Zunächst waren die Mädchen allein, wie der einsame Mönch am Meer. Dann bekamen sie plötzlich Schatten und Spiegelungen ihrer selbst. Sie begannen, sich und ihren Horizont auf rätselhafte Weise zu verdoppeln und zu multiplizieren. Haben sie sich selbst vervielfacht, und sich ihre eigenen Gefährtinnen erschaffen? Verkörpern sie die grundsätzliche Pluralität menschlichen Daseins, oder allen Daseins überhaupt, in diesem transitorischen Schwellenraum? Unübersehbar haben sich Ikemuras Mädchen in letzter Zeit weiter verwandelt, und ihr Universum sich mit ihnen. Die Farben sind heller, der Himmel und das Meer blauer, die kleinen Mädchen erwachsener geworden. Ihre Haare sind länger und blond, und die einst körperlosen Wesen haben nun kindlich-weibliche Bikinifiguren, die sie halb kokett, halb verschämt zur Schau stellen. Aus Geistern wurden beach girls. Es scheint, als hätten sie ihren schwebenden Zustand im Zwielicht verlassen und wären ins irdische Terrain der Badenden zurückgekehrt. Auch bevölkern sie den Horizont nun nicht mehr alleine, sondern haben Gesellschaft von Vögeln, Enten oder Ponys bekommen. Doch die Idylle ist trügerisch. Etwas beunruhigt spürbar in diesen Bildern - sei es in der verletzlichen, spärlich verhüllten Erotik der beach girls, in ihren verdunkelten Gesichtern, oder in den Kriegsschiffen, die Ikemura an den Horizont assoziiert. Die grundsätzliche Ambiguität manifestiert sich auch in der ebenfalls mit „Beach Girl" betitelten Bronzeskulptur - mit ihren bell-bottom Hosen und dem Katzenschwanz ähnelt sie jedoch eher einer chimärenhaften Kämpferin aus einem Sci-fi Comic. Das kindlich-zerbrechliche, und das geisterhaft-animalische sind Wesenszüge, die in den Mädchengestalten Leiko Ikemuras unzertrennlich sind. " b e a c h g i r l s " written by Eva Scharrer E s s e n t i a l l y , t w o t h i n g s e x i s t i n t h e d r e a m - l i k e i m a g e r y o f L e i k o I k e m u r a : g i r l s a n d h o r i z o n . T h e c o n c e n t r a t i o n I k e m u e r a s p e n d s o n t h e s e t w o e l e m e n t s h a s s o m e t h i n g o f m e d i t a t i o n . T h e r e o c u r r i n g m o t i v e s d e v e l o p s l o w l y d u r i n g a l o n g p a i n t i n g p r o c e s s t h r o u g h c o u n t l e s s l a y e r s o f p a i n t . O n e c o u l d a l s o s a y : T h e y s h i n e up . The horizon in Ikemura's paintings is not just a distant line. It is multi-layered, dizzy, fluorescent - a vibrant sphere, or, as Elisabeth Bronfen puts it in the recently published catalogue "Leiko Ikemura. Skulptur, Malerei, Zeichnung": a non-place, a threshold between day and night, heaven and earth, the "here" and the "beyond". The subject is reminiscent - especially in her earlier, still darker pictures from the mid nineties - to Caspar David Friedrich's Romantic landmark painting "Monk at the Sea". The atmosphere of dizzy twilight both times describes an inner state of transgression. It is a kind of introspective, the visualization of deeply felt emotion. But while in C. D. Friedrich's masterpiece the land and the sky are illuminated and the horizon, where the sky touches the sea, is veiled in dark cloudy blackness, Ikemura's horizons stand out colourful and shining from the inside against the dark background. And while the lonesome monk almost disappears in front of the endless horizon, without even reaching it, Ikemura's little girls exceed beyond it like giants. The heads of those luminous, weightlessly hovering creatures are often cut off by the upper picture frame, skirts or legs, if visible, melt with the horizon. It seems like they were born out of this horizon, and if they could slip back into it any time. In the black vastness of the picture plane it is like a rope, on which they sit, sleep, or land. But yet, who are those ghost-like girls? They wear short skirts, which look like school uniforms or tutus; they have green or blue hair and haircuts like little helmets. Their hands are folded and gaze of their dark, scheme-like eyes is turned inside or to the ground (sometimes it looks like they were resting on it like on crouches.) They look a bit melancholic or even sad, but at the same time peaceful and one with their world. But at times also uncanny - just like ghosts. And sometimes it seems like behind the painterly transparency of their bodies, there hides the unpredictable nature of an anime character: a sexy Manga or fighting Pokemon. In the beginning, the girls were all by themselves, like the lonesome monk. Suddenly they got shadows and mirrorings. They began to mysteriously duplicate and multiply themselves and their horizons. Did they clone themselves, thus creating their own playmates? Or do they simply embody the general plurality of all human being - of all being - in this transitory threshold? There is no doubt that Ikemura's girls have changed significantly during the past years - and so did their universe. Colours are brighter, the sky and the sea are bluer, the little girls grew up. Their hair got longer and blond, and the once bodiless creatures got childish-female silhouettes, which they present half shamefully, half coquetting in small bikinis. The ghosts turned into beach girls. They seem to have left their hovering state of being in the twilight, and returned to the earthly sphere of bathers. They also don't populate the horizon alone anymore, and got company of birds, ducks, and ponies. But the idyll is mischievous. There is something deeply disquieting in these images. Perhaps it lies in the vulnerable, poorly covered erotic of the beach girls, in their darkened faces, or in the big war ships, which suddenly appear at the horizon. The general ambiguity is also manifest in the bronze sculpture, entitled "Beach Girl" as well - however, with her belly-bottom pants and long cattail she looks more like a chimeric amazon from a Sci-fi comic. The childish-fragile, and the ghostly-animal, are characteristics, which are inseparable in the creatures of Leiko Ikemura. Vita und weitere Ausstellungen von Leiko Ikemura |
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| © Tony Wuethrich Galerie, Basel/CH. | |||