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Hanspeter Hofmann, Malerei, März Mai 2002 Katalog erhältlich (28 Seiten, 10 Abbildungen) |
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Bildschleifen von Dr. Stephan Berg, Hannover Es liegt ein trügerischer Frieden über den Bildern von Hanspeter Hofmann. Vor einem oft silberfarbenen Hintergrund schlängeln sich Farblinien heiter und gelassen wie Girlanden durch den Bildplan, verfolgen einander und verlieren sich wieder, verdichten sich und laufen lapidar in glitzernde, spiegelnde Leere aus. Bisweilen bilden sich in einer ihrer Schlaufen Farbinseln, manchmal wolkig-milchig verlaufend, in den neuesten Arbeiten gern in leuchtenden, frischen Orange-, Gelb- und Rottönen. Es gibt keine dramatischen Störungen oder Zuspitzungen in diesem Szenario. Alles scheint in einem schwingenden Auf und Ab begriffen zu sein, das keinen Anfang und kein Ziel kennt, sondern sich genüßlich einem endlosen equilibristischen Akt hingibt. Diese scheinbar so selbstzufrieden vorgetragene Visualisierung einer von Ausgeglichenheit erfüllten Bildharmonie entpuppt sich freilich bei näherem Blick als Camouflage, hinter der es um das weit grundlegendere Ziel der Gewinnung einer eigenen Bildgrammatik, der Formulierung eines eigenen Bildtextes geht. Wie sehr die Spur dieser Bilder eine ist, die sich gewissermassen immer selbst folgt, lässt sich schon daran zeigen, dass ihre Lieblingsbewegung stets die eines ausdauernden unaufhörlichen Kreisens und Kreiselns ist. Die Farblinien schlingen sich ineinander, verknäueln sich scheinbar haltlos, wuchern wie Wollfäden durch das ganze Bild, und wollen doch nirgendwohin als ganz zu sich selbst, in die Logik ihrer eigenen Selbstumkreisung. Man kann das sehen, an der Art und Weise, wie der Maler die Farbe setzt, wie der Pinsel seinem eigenem - oft die Farbe ändernden - Verlauf hinterher- und vorausspürt und dabei skrupulös darauf achtet, dass aus dem Prozess einer sich selbst beäugenden Farblinie keine Illustration von etwas Äusserem wird. Die Linie ist dazu da um dem Bild zu zeigen, wohin es sich bewegen muss, in seine eigene Richtung, auf sich selbst zu. Das heißt nun gerade nicht, dass ihr deswegen ein Authentizitätscharakter zugebilligt würde. Im Gegenteil. Von Interesse ist nicht ihre mögliche Autonomie, sondern gerade ihre Abgeleitetheit, ihre stets ablesbare Zeichenhaftigkeit. Auch deswegen formulieren die Farblinien sich auf jedem Bild in so vielfacher, selbstähnlicher Wiederholung. Die sich umschreibende Linie verändert im Lauf ihrer verschiedenen Selbstumkreisungen jedesmal ein klein wenig ihre Gestalt und generiert so aus sich selbst heraus ganze Musterkollektionen von ähnlichen Schleifen und Kreisen, die wie Zellkulturen weiterwuchern von Bild zu Bild zu Bild. Darin scheint etwas anzuklingen, wie der Traum vom sich selbst generierenden Bild, das, einmal in Gang gesetzt, sich auf ewig selbst fortspinnt. Tatsächlich liegt großen Teilen von Hofmanns bisherigem Werk ein Musterblock von acht 1992/93 entstandenen Holzschnitten zugrunde, aus deren Strukturen der Künstler Teile auswählt und diese, verkleinert, extrem aufgeblasen, gedehnt oder verdichtet als Matrix für seine Leinwandarbeiten benutzt. Bemerkenswert daran ist, dass es dem Künstler gelingt die Balance zu halten zwischen rein selbstreflexivem Solipsismus und pluraler Ausuferung. Die Bilder gewinnen ihre Sicherheit aus dem Rückbezug auf den eigenen Malkosmos. Ihre Freiheit wächst ihnen zu durch die Souveränität, mit der sie das zirkulierende In-sich-Kreisen immer wieder durchbrechen und produktiv mit neuen Elementen "verunreinigen". So kann man Hofmanns Methode durchaus als sympathische Methode begreifen, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf der überreichen Tradition der Malerei zu ziehen. Wir sehen einen Künstler, der ausgestattet mit einem sowohl mikro- wie makroskopischen Blick, die Leinwand als ein Untersuchungsfeld begreift, auf dem nur Fragen zugelassen werden, die die Bedingungen und die Funktion dessen betreffen, was ein Bild grundsätzlich ist. Die Konstellationen, die dabei entstehen, sind gleichwohl keine Theorieseminare oder trockene Modelle, sondern sinnliche Investigationen nach dem Moment, in dem sich aus dem Ungefähr der Ahnungen die Schärfe und Klarheit eines Bildes schält, das auf dem Fundament seiner eigenen Geschichte gewachsen, aber nicht von diesem abhängig, vor sich selbst bestehen kann. Fotos: Serge Hasenboehler, Basel Vita und weitere Ausstellungen von Hanspeter Hofmann |
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| © Tony Wuethrich Galerie, Basel/CH. |