Ausstellung Galerie Corsin Fontana, "Gegossen" Skulpturen und Zeichnungen, März 2009 – Juni 2009
Ausstellung Kabinett Thomas Hauri, Mai 2009 – Juni 2009



Corsin Fontana, "Gegossen".

Die neuen Skulpturen Corsin Fontanas bestehen jeweils aus einem gegossenen Beton-Würfel und industriell gedrillten Stahlstäben, die in unterschiedlicher Länge und Anordnung aus dem Betonkörper herausragen. Ähnlich wie in seinen grossformatigen Ölkreidezeichnungen aus vertikal oder horizontal mehr oder weniger dicht gesetzten Linien folgt ihre individuelle Setzung einem rhythmischen Prinzip der Verdrängung bzw. Freilassung, das in seiner konzeptuellen Einfachheit und Stringenz unendliche Variationsmöglichkeiten bietet und in dem die Leerstelle ebenso wichtig wie der Strich ist. Einzeln, in Reihen oder im Quadrat zu Gruppen angeordnet, seitlich oder nach oben in den Raum greifend, sind es spielerische Befragungen des elementaren, dualistischen Skulpturprinzips: Raumverdrängend versus raumgreifend. Die industriellen, aus dem Architekturkontext stammenden Materialien Beton und Stahl besitzen eine spröde Sinnlichkeit, die sich erst in den feinen Nuancen der Oberflächenbeschaffendheit zu erkennen gibt, so wie auch die auf minimalste Mittel beschränkte Formgebung den Skulpturen etwas subtil Wesenhaftes verleiht.

Fontana befragt mit seinen unterschiedlich ausgerichteten Skulpturen auch immer wieder das Skulptur-Sockel-Verhältnis: ein einzelner, aus einem Betonblock emporragender Stahlstab könnte als überlängte, minimalistische „Figur“ auf einem massiven Podest zu lesen sein, während fünf kurze, aus dem Quader herausgreifende Stäbe diesen wiederum zum Körper werden lassen. Zudem scheinen die schweren Betonquader ein paar Millimeter über dem Boden zu „schweben“ - was den ihnen eigenen skulpturalen Charakter zusätzlich hervorhebt.

Die niemals vorhersehbare Rhythmik der Verdichtung und Aussparung setzt sich fort in den neuesten Ölkreidezeichnungen (für Fontana ist es Malerei): Breite schwarze Ölstiftstriche sind vertikal und horizontal so dicht gesetzt, dass nur die reliefartigen Spuren, die durch den Druck beim Auftragen entstehen, eine schachbrettartige Gitterstruktur entstehen lassen, welche je nach Lichteinfall ihren eigenwilligen Rhythmus inklusive subtiler Unregelmässigkeiten im sonst monochromen Schwarz sichtbar werden lässt.

In anderen Blättern sind einzelne weisse Quadrate in unregelmässiger Verteilung ausgespart. Auch hier werden Assoziationen wach – etwa zur Architektur Graubündens, besonders schön exemplifiziert an dem von Valerio Olgiati in den 90er Jahren umgebauten „Gelben Haus“ in Flims. Die Möglichkeiten der horizontalen und vertikalen Streifen scheinen für Fontana noch lange nicht ausgeschöpft und bieten immer wieder neue, überraschende Momente.

Eva Scharrer, Februar 09



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Biographie und weitere Ausstellungen Corsin Fontana

Biographie Thomas Hauri






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