Ausstellung Roza El-Hassan "Red Man", März 2007 – April 2007



ROZA EL – HASSAN
"Red Man", 2007

Auszug aus einem Text über Roza El-Hassan für die Aprilnummer des Kunstbulletins
von Eva Scharrer

Die Arbeiten der in Budapest lebenden Künstlerin Róza El-Hassan bestehen aus Zeichnungen, Objekten, Montagen, Skulpturen, sowie aus Performance und Video. Zwischen diesen verschiedenen Medien hat sich in den letzten Jahren eine intellektuelle Verschiebung vom eher anonymen, konzeptionellen Objekt hin zu einer stark subjektiven und autobiographisch geprägten Arbeitspraxis abgezeichnet, in der sich politischer Aktivismus und künstlerische Ästhetik, Poesie und ein subtiler selbstironischer Humor verbinden. Es geht darum, das Wesen der Dinge durch die ihnen eingeschriebenen Paradoxe zu verstehen.

Es scheint, als würden sich in den Arbeiten von Róza El-Hassan, insbesondere in ihren Zeichnungen, ihre osteuropäischen und arabischen Wurzeln auch durch die Bildsprachen dieser verschiedenen Kulturkreise – die frontale, ikonenhafte Figur, die in der katholisch-orthodoxen Kunst eine zentrale Rolle spielt, und die ornamental-abstrakte Formensprache der muslimischen Kultur – als Antipoden gegenüberstehen. Vielleicht ist dies etwas zu vereinfacht ausgedrückt, schliesslich haben sich diese Bildtraditionen seit der Moderne entscheidend gewandelt. Es geht Róza El-Hassan vor allem um die verschiedenen (kontroversen) Gebote und Traditionen beider Kulturen. In ihren Arbeiten durchdringen sich diese Traditionen, Figur und Abstraktion lösen einender ab, lösen sich gegenseitig auf.

In den eher abstrakten over-all Zeichnungen wird ein fast meditativer Prozess sichtbar, eine Visualisierung von Zeit, die von minutiös geknüpften Netzwerken bis zu dichten chaotischen Knäuels reicht, die sich schliesslich wieder zu eher spielerischen Kompositionen auflösen. Die Figuren hingegen sind stilisierte Gefässe für Ideen – abstrahierte Gedankenträger, personifizierte Konzepte oder konkrete Demonstrationsmodelle – die jenseits der Zeichnungen verschiedene Inkarnationen eingehen, und doch eine einzige Identität zu haben scheinen. So wie die immer wieder kehrende, mit angezogenen Beinen dasitzende und grübelnde Figur namens "R" , die über das Problem der Überpopulation nachdenkt (oder auch nicht), bzw. davon träumt.
(R. thinking/dreamimg about Overpopulation, 1999, 2003; R. doesn’t think about Overpopulation, 2001)


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©   Tony Wuethrich Galerie, Basel/CH.