Ausstellung Markus Casanova, Skulpture; Georg Baselitz, frühe Holzschnitte,
März – Juli 2005

 
   
   

Der Widerstand des Materials
Markus Casanova und Georg BaselitzVor geraumer Zeit entstand in der Tony Wuethrich Galerie das Projekt einer Doppel-ausstellung mit Skulpturen von Markus Casanova und Holz- sowie Linolschnitten aus den frühen achtziger Jahren von Georg Baselitz. Die Faszination liegt in den verbindenden Elementen der Werke der beiden Künstler, den expressiven Momenten, im Interesse am menschlichen Körper und dessen abstrahierten Formen und im Widerstand des Materials.

Bei einem Gang durch die Ausstellung verstärken sich diese Eindrücke. Die Konfrontation des Betrachters mit den Steinarbeiten ist die einer freundschaftlichen Begegnung, während mit den Holz- und Linolschnitten ein stiller Dialog aufgenommen wird. Eine Auseinandersetzung mit Menschen, denn es sind ja Figuren, Körper und Köpfe, die Markus Casanova dem Stein entlockte und die Georg Baselitz in die Platten schnitt.

Sie sind sich nie persönlich begegnet und doch lassen sich Verwandtschaften erkennen. Baselitz, der bekannte Maler und Bildhauer, der kurz nach 1962, dem Geburtsjahr von Casanova, mit den ersten Holzschnitten begann und dessen Band II des Werkverzeich- nisses der Druckgrafik bis ins Jahre 1982 reicht. Jenes Jahr in dem Markus Casanova seine Lehre als Steinbildhauer beendete und für mehrere Monate im Steinbruch von Andeer arbeitete.

Aber neben den Gemeinsamkeiten, die zur Idee dieser Ausstellung führten und die von den Energien und Intensitäten der verschiedenen Arbeiten erzählen, sind da auch die Unterschiede. Baselitz erzählt klassische Geschichten von Zwischenmenschlichem, die uns immer mal wieder Kopf stehen lassen und so eine neue, abstrahierte Sicht auf bekannte Geschehnisse eröffnen.

Und andererseits der jung verstorbene Markus Casanova, entlockte seine Formen der Rauheit des Steins, schälte die Körper gleichsam aus dem Stein heraus, behutsam, so als ob sie leben würden. Anders als bei Baselitz, der seine Themen in einer reduktiven Abstraktion in die Holz- und Linolplatten schneidet, hauchte Casanova seinen Steinen Leben ein, so dass gerade von Ferne das Individuelle und von Nahe das körperlich und das empfindsam Haptische erfahrbar werden.

Mit spitzem Meissel wird der Stein, mit scharfen Klingen und Stechbeiteln das Holz und das Linol bearbeitet. Eine harte Arbeit, die am Widerstand wächst, indem sie ihn überwindet. Ein Prozess, der einiges wegnimmt, um vieles zu zeigen. Die Begegnung von Baselitz und Casanova ist keine leicht verdauliche, aber sie ist eine, die zwei Charaktere über ein Thema miteinander verbindet: dem menschlichen Agens eine allseits verständliche Sprache zu verleihen. Simon Baur, 2005
 
 

  ©   Tony Wuethrich Galerie, Basel/CH.