Ausstellung "Be all eyes", November 2006 – Februar 2007
Markus Gadient, Lori Hersberger, Hanspeter Hofmann, indra., Leiko Ikemura, Noori Lee, Frances Scholz, Markus Schwander, Karin Schwarzbek, Leif Trenkler



Be all eyes!

Programmschwerpunkt der Tony Wuethrich Galerie ist die zeitgenössische Malerei und Skulptur.
Am Beispiel von zehn Künstlerinnen und Künstlern der Galerie – unter ihnen sowohl etablierte Namen als auch vielversprechende junge Talente – thematisiert die gegenwärtige Ausstellung die Vielschichtigkeit der aktuellen malerischen Ausdrucksformen. Um sich in der Vielfalt der Äusserungen zu orientieren, empfiehlt der Titel der Ausstellung, sich von den Sinnen leiten zu lassen.
Also: Trauen wir unseren Augen, gehen wir das Wagnis des Sehens ein. – Be all eyes!

Ein kraftvolles Statement zur Malerei gleich am Beginn: Markus Gadients (1958) alte, knorrige Bäume erwarten uns im ersten Raum. Seit 15 Jahren findet der Basler immer wieder neue, überraschende Formulierungen für dieses Landschaftsmotiv, das er stets in reine Malerei auflöst. Figuration und Abstraktion changieren hier in einer den Betrachter fesselnden Weise.

Von Leiko Ikemura (1951) zeigt die Ausstellung eines der sich stark der Abstraktion nähernden Horizontbilder. Die Japanerin, deren internationale Karriere vor 25 Jahren in der Schweiz begann, lebt heute in Köln und in Berlin, wo sie als Professorin an der Hochschule der Künste lehrt.

Im zweiten Raum überraschen uns die neuesten Werke von Hanspeter Hofmann (1960) durch ihre Farbgebung. Farbgebung? Sind diese Breitformate nicht einfach weiss? Nein. Es lohnt sich genau hinzusehen, aus der Nähe, aus der Ferne und von der Seite. Hofmann spinnt seine selbstreflexive Kunstfabel konsequent fort und verblüfft uns mit seinen Untersuchungen einmal mehr.


Lori Hersberger (1962) kommt von der Installation her und fühlt sich seit einigen Jahren auch der abstrakten Malerei verpflichtet. Seine grellen, oft fluoreszierenden Farben lassen die Bildfläche aber auch gerne mal hinter sich und fliessen in den Raum. In der Ausstellung sind zwei Spiegelarbeiten des international renommierten Künstlers zu sehen.

Mit Noori Lee (1977) erhalten die beiden etablierten Maler Gesellschaft von einem vielversprechenden Nachwuchstalent. Der gebürtige Südkoreaner bleibt auch in den jüngsten Arbeiten seinem zentralen Motiv der letzten Jahre treu und vermehrt seine beängstigend kühlen Darstellungen anonymer moderner Architektur um zwei eindrückliche Nachtstücke.

Der Kölner Leif Trenkler (1960), der einer der ersten Vertreter der "Neuen Figuration" in Deutschland ist, konzentriert sich in seinen jüngsten Bildern auf das Licht- und Schattenspiel der Natur und fängt damit in seinen Szenen eine magische Spannung ein.

Die in New York geborene Frances Scholz (1962) gehört seit der Gründung der Galerie zum Programm. Unterdessen hat sie eine Professur an der Hochschule für bildende Kunst in Braunschweig inne. Die zu Netzen gesponnenen roten und blauen Linien ihrer Bilder erinnern an Stofftexturen und wirken durch die lichte Malweise so leicht, dass man fürchten muss, sie könnten jederzeit zum Spiel des Windes werden.

Ziemlich schwer, zumindest für Kaugummis, wirken dagegen die schwarzen Skulpturen von Markus Schwander (1960) im Kabinett. Seit Jahren setzt der in Basel lebende Künstler alltägliche Begebenheiten und Spuren in seinem Umfeld zeichnerisch, vor allem aber auch skulptural um. In der Ausstellung sind von seinen nach (selbstgekauten) Minivorlagen modellierten Kaugummis erstmals schwarz bemalte Gipsgüsse zu sehen.

In der Malerei von Karin Schwarzbek (1969) scheinen sich die Figuren stets in den nur stilisierten Hintergründen aufzulösen. Die Zürcherin arbeitet mit fotografischen Vorlagen, die sie am Computer mehrfach überarbeitet, um sie schliesslich malerisch umzusetzen.

Auch Indra. (1977) verarbeitet für ihre sich an Topoi aus Märchen bis Science-Fiction anlehnenden Bilder Vorlagen unterschiedlichster Provenienz: Zeitungsfotos, Manga-Comics, Filme. Die Künstlerin – in Heidelberg geboren, heute in Basel arbeitend – fügt diese Vorlagen zu ungewöhnlichen Geschichten und setzt sie mit Acryllack, Sprayfarbe und Permanentmarker zu leuchtenden Gemälden um.


Adrian Aebi, im November 2006







©   Tony Wuethrich Galerie, Basel/CH.